
Silke Kemmer
Silke Kemmer wurde in Mainz geboren und ist in Heidesheim am Rhein aufgewachsen, wo sie bis heute lebt. Schon sehr früh hielt sie mit einer Agfa „Ritsch-Ratsch-Klick“-Kamera ihre Welt fest – am liebsten die eigene Familie.
Ende der 1990er Jahre begann sie, sich intensiver mit Fotografie zu beschäftigen. Zunächst analog mit einer Minolta, viel Automatik und wenig Plan. Der Umstieg auf digital im Jahr 2002 änderte das: Ihr Blick wurde bewusster, der Anspruch größer, die Technik verständlicher und das erste Model war ihre Tochter.
Ab 2005 arbeitete sie als Autodidaktin rund acht Jahre im eigenen Studio in Mainz, beschäftigte sich intensiv mit Lichtführung und Bildgestaltung und rutschte dabei ganz nebenbei in die gewerbliche Fotografie hinein – ungeplant, aber konsequent.
Impulse aus der Fotogruppe Bickenbach und der Wettbewerbsfotografie prägten ihren Stil zusätzlich.
Seit 2006 gehört die Musikszene mit Künstlerportraits, Bandfotos und der Konzertfotografie zu einem fester Bestandteil ihrer Arbeit. Unter anderem im Umfeld des Schlachthof Wiesbaden. Neben Porträts, Hochzeiten und Veranstaltungen arbeitet sie heute bevorzugt on location mit available light. Menschen und echte Momente.
Technisch vertraut sie auf ihr Equipment von Canon.
Abseits von Aufträgen zieht es sie in die Natur, an verlassene Orte oder einfach durch die Stadt – die Kamera immer dabei. Auch die analoge Fotografie hat sie nie ganz losgelassen: Alte Kameras und abgelaufene Filme sorgen bis heute für den besonderen Reiz.
Am Ende geht es ihr immer um das Gleiche: Den einen Moment, der bleibt.
Mehrfachbelichtung
Diese Bilder sind keine schnellen Antworten.
Mehrfachbelichtung bricht mit der Erwartung, dass Fotografie Wirklichkeit eindeutig zeigt. Statt eines klaren Moments entstehen Überlagerungen. Zeit, Bewegung und Wahrnehmung existieren gleichzeitig und widersprechen sich mitunter.
Die Bilder entziehen sich bewusst der sofortigen Lesbarkeit. Wer nur kurz hinschaut, sieht vielleicht Farbe, vielleicht Fragmente. Wer bleibt, entdeckt Schichten.
Abstraktion ist hier kein Effekt, sondern eine Haltung. Sie verlangt, dass man sich einlässt – dass man genauer hinsieht, Unsicherheit zulässt und bereit ist, Bedeutung nicht sofort festzulegen.
Die Arbeiten entstehen als kamerainterne Mehrfachbelichtungen. Jede Entscheidung passiert im Moment, ohne spätere Korrektur. Das Ergebnis ist kein konstruiertes Bild, sondern ein Prozess, der sichtbar bleibt.
Vielleicht erschließen sich diese Bilder nicht auf den ersten Blick. Das ist kein Mangel, sondern Teil ihrer Idee. Denn manchmal muss man tiefer ins Bild gehen, um überhaupt etwas zu sehen.





